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Neue Westfälische Biennale Artikel

Buntes Licht für graue Wände

Bielefelder Projektionskünstler holt auf der Biennale in Florenz mit "Lightmotiv" eine Goldmedaille

 

 

(15.01.2010)

Bielefeld. Angefangen hat alles mit einem umgedrehten Blumentopf. Matthias Strobl trennte den Boden heraus und ersetzte ihn durch eine Glasschale, die er mit einer Mischung aus Wasser, Farben und Ölen füllte. Als er die Flüssigkeit von unten mit einer Glühbirne beleuchtete, erschienen bunte Farbkleckse an der Decke seines WG-Zimmers. Zehn Jahre später hat sich die Bielefelder Studentenerfindung als preisgekröntes Objekt der Lichtkunst etabliert.

"Lightmotiv" heißt der patentierte Projektor - und das Prinzip, mit dem der heute 33-Jährige weit über die Grenzen von OWL hinaus Aufsehen erregt. Zuletzt in Florenz, wo sein Team auf der Biennale Internazionale dell’Arte Contemporanea ein historisches Gebäude am Arno in sphärisches Licht tauchte. Die siebte Ausgabe der Biennale zog Ende Dezember zahlreiche internationale Künstler und Besucher in die historische Altstadt von Florenz. Mehr als 2.500 Arbeiten waren zu sehen, die besten wurden von einer internationalen Jury prämiert. Strobls 100 mal 30 Meter große Illumination gewann die Goldmedaille in der Kategorie Spezialinstallationen im öffentlichen Raum.

Auf den Blumentopf der Anfangszeit folgte zunächst ein Tageslichtprojektor, der im Prinzip bis heute in der Lightmotiv-Technik steckt. Dass die Lichtspiele aus Bielefeld immer größer werden, verdankt der Tüftler der Entwicklung extrem starker Leuchtmittel, die er in den Projektor einbaut. Mit einer Energie von 7.000 Watt trifft das Licht auf die Petrischale, in der farbenfrohe Blubberblasen fröhlich vor sich hinschwappen. "Diese Stärke wird auch in Leuchttürmen verwendet", sagt Strobl.

Die analogen Projektionen sind ein Spektakel fürs Auge: Weil sich die von einem Motor angetriebene Schale dreht, entstehen im Sekundentakt neue Formen und Strukturen. Die Muster sind das Ergebnis physikalischer Prozesse plus einer Prise Chemie. Welche Substanzen sich in seinen vielen kleinen Fläschchen befinden, bleibt jedoch Strobls gut gehütetes Geheimnis.

 

Was einfach aussieht, ist ganz schön kompliziert. "Früher dachte ich, ich baue den Projektor als kleines Serienmodell fürs Wohnzimmer, dann können die Leute das selbst machen. Von dieser Idee habe ich mich verabschiedet", sagt Strobl. Heute ist Lightmotiv nur noch ein Teil seiner Firma "The Night Lab". Die zehn kleinen und zwei großen Projektoren kommen auf Innenstadtfesten ebenso zum Einsatz wie auf Musik- und Kunstfestivals. Ein Drittel der Aufträge erhält der überzeugte Bielefelder aus dem Ausland. "Lightmotiv kennt man in den Niederlanden genauso wie in Mexiko und Japan."

Strobls zweites Standbein sind dauerhafte Lichtkonzepte mit Beamern und LED-Leuchten für Privat- und Geschäftskunden. "Ende der 1970er Jahre reichte es noch, eine Spiegelkugel mit Scheinwerfer und drehendem Farbrad in einer Ecke des Raums aufzustellen, um die Besucher in Staunen und Begeisterung zu versetzen. Heute sind die Leute anspruchsvoller - und Lichtkunst ist eine feste Größe im öffentlichen Raum."

Nicole Hille-Priebe