Alles so schön bunt hier

Ein junges Bielefelder Start-Up-Unternehmen belebt die Szene mit Lichtspielen

(12.03.2001)

Bielefeld. Am Anfang war das Licht. Farblos, fade, fahl. Man kann es zu Spots bündeln, mit Spiegeln ablenken, man kann es durch farbige Filter jagen und auf alles werfen, was weiß ist. Matthias Strobls Licht ist so bunt, dass sich nicht nur die Augen, sondern alle Sinne in ihm verlieren können. Wenn der 24-Jährige den Stecker in die Dose schiebt, bewegen sich dicke Farbkleckse quallenartig durch den Raum, kriechen über Decke und Wände, immer wieder neu und mit immer wieder überraschenden Effekten.

In der Techno-Szene ist die Lichtmaschine des Bielefelder Jungunternehmers zur Zeit sehr angesagt. Er ist der Pionier einer fundamental neuen Technik, die er sich weltweit hat patentieren lassen. Noch kommen in Deutschland nur vereinzelt Partygäste in den Genuss der Farborgien, die aus einem umfunktionierten Tageslicht-Projektor heraus zu Trip-Hop, Trance und Techno eine ganz spezielle Atmosphäre verbreiten. Jenseits der Hektik digitaler Effekte und Lasershow-Maschinerien unterliegt Strobls Lightshow nämlich einer gewissen Eigendynamik, einer experimentierfreudigen Ungewissheit, die zur Stimmungslage dieser jungen Szene passt.

Der Prototyp, vor zweieinhalb Jahren noch „Aqua Beamer“ getauft, zeigt das simple Prinzip: Strobl trennte den Boden eines Blumenübertopfes heraus und ersetzte ihn durch eine Glasschale mit einem Flüssigkeitsgemisch, dem Farben oder Stoffe beigefügt werden. Von unten leuchtet eine Glühbirne und oben rührt ein Mini-Quirl das Farb-Öl-Gemisch ständig durch, so dass immer wieder neue, organische Formen an die Decke geworfen werden.

„Ich hatte genau im Kopf, wie es aussehen könnte, die Idee dann aber lange für mich behalten“, erinnert sich der junge Erfinder, der damals nicht für einen Vollidioten gehalten werden wollte. Und heute? Der einfache Blumentopf ist einer Metallröhre gewichen, die der Light-Jockey auf Partys einsetzt und damit auch die Trendstadt Berlin schriller macht, als sie schon ist. Kleine Flusskrebse sind momentan besonders beliebt bei den Gästen. Die zuckeln dann munter über Tisch und Bänke, und wenn man die Hand ins Licht hält, sind ihre Schatten zum Greifen nah. Wer will, kann selbst mal ran an die Glasschale und die Projektion beeinflussen.

„theNightLab“ (tnl) nennt sich das junge Start-Up-Unternehmen um Matthias Strobl, in dem vier kreative Köpfe in der ehemaligen Bielefelder Boge-Fabrik eifrig qualmen. In der kleinen Werkstatt stehen ein halbes Dutzend Tageslicht-Projektoren herum, zwischen Erdnussöl, Caramba- Dosen und Fläschen mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten. Eher ein Labor also.

Die vom Projektor erzeugten Effekte heißen jetzt „lightmotiv“ und können mittlerweile eine Fläche von bis zu 50 mal 50 Meter einfärben. Die Technik ist vielseitig einsetzbar, die Unternehmer sehen Potenziale nicht nur in Diskos und Gastronomie, sondern auch in Werbung, Wellness und im Messebau. Strobl sieht sich als optischen Alleinunterhalter der nächsten Generation: „Wir schaffen einen Gegenpol zu allen digitalen Geschichten. Wir wollen keine grellen Farben auf Knopfdruck. tnl ist ein Monument gegen die digitale Hektik.“

Nicole Hille-Priebe

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